Just Another Ant
Monday, 21. April 2003
Eine seltsame Passage aus Doris Lessings "The Jewel of Africa" [NYRoB 6/2003]:

Mugabe is now widely execrated, and rightly, but blame for him began late. Nothing is more astonishing than the silence about him for so many years among liberals and well-wishers—the politically correct. What crimes have been committed in the name of political correctness. A man may get away with murder, if he is black. Mugabe did, for many years.


Daß der "Political Correctness" alles Mögliche und Unmögliche vorgeworfen wird, ist man ja mittlerweile gewohnt (jemand sollte eine Liste dieser angeblichen Verfehlungen anlegen, eine Art Anti-PC Watch). Die Schärfe von Lessing ist allerdings ungewöhnlich, ausgelöst vielleicht durch den fehlgeleiteten (verständlichen) Zorn über Mugabes Versagen. Trotzdem erscheint mir der vorletzte Satz sehr prekär.

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an dem text beisse ich auch noch. mir scheint der text ohne die annahme, lessing schreibe für ein als hort der pc imaginiertes us-publikum, teilweise kaum verständlich. obwohl, so eindeutig ist das wieder auch nicht - vielleicht ist auch ein teil bissiger provokationsrhetorik da drin. wut, dass inneramerikanische diskurse über schwarze so geführt werden, dass schwarzafrikanische diktatoren für ihre scheissdiktaturen profit draus ziehen können (wenn dem so ist).

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Je mehr ich über diesen Essay nachdenke, desto unverständlicher erscheint mir manches daran. An den amerikanischen "liberals" kann es sicher nicht liegen, daß Mugabe an der Macht bleibt. Zufälligerweise bin ich in einer Rezension von Naomi Klein (LA Times) auf Folgendes gestoßen:

Of course the left will never be entirely free of sectarians ready to pledge their allegiance to the latest anti-imperialist megalomaniac, but Gitlin seems unaware of how few fans the likes of Robert Mugabe and Osama bin Laden have among today's young activists.


Der typische NYRoB-Leser wird da wohl kaum anders denken.

Und bei diesem Satz von Lessing

When Queen Elizabeth visited, refused to ride with him [Mugabe] in an armored car, and insisted on an open one, people jeered as the frightened man clung to the sides of the car while the insouciant sovereign smiled and waved.


habe ich mir - aber ich geheimnisse da vielleicht zuviel hinein - nur gedacht: "Bitte übernehmen, postkolonialistische(r) Theoretiker(in)."
Auch der Hinweis Lessings, die schwarze Bevölkerung hätte immer nur den Reichtum der weißen Farmer, selten aber die dahinterstehende Mühe gesehen, ist mir komisch vorgekommen. Das Konzept körperlich harter Arbeit (bei geringer Entlohnung) dürfte ersteren, gelinde gesagt, sicher nicht ganz fremd sein.

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nicht ganz fremd - sicher nicht, klar. andererseits fand ich den hinweis darauf einleuchtend, dass da arme schwarze kerle aus der stadt aufs land kamen, wo die weißen farmer werkten. dass es städtisch schuftenden bei anblick reicher landhäuser nicht in den sinn kommt, deren weiße besitzer würden viel schuften, klingt plausibel. vor allem, wenn von politischer propaganda ohnehin schon das bild des reichen weißen als schuld an der misere des armen schwarzen vorgezeichnet wird.

das klein-zitat trifft gut, aber nur zum teil. die frage wäre ja, ob man mit lessingschen starrsinshinweisen nicht vielleicht den amerikanischen liberalen verdeutlichen könnte oder möchte, dass die haltung, die sie in den usa einnehmen, wenn konsequent weiter gedacht und auch auf afrika ausgedehnt, fatal-absurde konsequenzen hat. es hat dann nichts damit zu tun, dass man meint, us-liberale würden mugabe toll finden, sondern dass man meint, sie kämen bei konsequenter verallgemeinerung ihrer haltung nicht umhin, das zu tun. oder so ähnlich.

ich weiß nicht, ob lessing das so sehen würde, aber mir scheint das dann eher in die richtung zu gehen, dass es eben keinen sinn macht, soziale benachteiligung ethnisch zu konzipieren und politik auf ethnischer gruppenzugehörigkeit aufzubauen. zurück zur, äh, klasse und so. ob es wirklich nötig ist, solche hinweise nörgelig-provokant vorzutragen, weiß ich freilich nicht.






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"Anti-PC-Watch"
Da hat schon jemand einiges zusammengetragen:
www.freitag.de

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Danke! Ich habe übrigens Diedrich Diederichsens "Politische Korrekturen" sehr instruktiv gefunden. Eine der besten Rezensionen dazu stammt von Christian Köllerer, der Aspekte des Buches allerdings wesentlich negativer sieht als ich:

Diederichsen hat zwei Bücher in einem geschrieben. Einerseits eine kluge Analyse vieler Phänomene, die mit dem Totschlagbegriff political correctness (PC) zusammenhängen. Andererseits eine ärgerlich simplifizierende Beschreibung der intellektuellen Debatten der letzten zwei Jahrzehnte - gerade auf akademischem Gebiet.
[Ch. Köllerer Diederichsen Politische Korrekturen]

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PC war doch Nebensache
Danke fuer den Hinweis auf Lessing's Artikel.

Ich finde den (im Text nebensaechlichen) "PC" Vorwurf weniger interessant als der eigentliche Inhalt von Lessing's Essay: Mugabe's moerderisches Versagen.

Ich wusste jedenfalls nur ein wenig ueber Zimbabwe, und weiss jetzt etwas mehr.

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Re Lessing/Zimbabwe: Ich habe jetzt einen blog-Eintrag zum Thema (etwas lang, aber hoffentlich teilweise lesbar). (Ich haette mich per e-mail gemeldet, fand aber keine Adresse, deswegen hier.)

Meinungsaenderung: "PC" war nicht gerade Nebensache. Aber ich glaube das Lessing wenigstens zum Teil die "PC" innerhalb Zimbabwe kritisiert (und damit Recht hat), und vielleicht ueberhaupt nicht die uebliche, langweilige westliche Variante.

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Danke! Freut mich, daß mein Hinweis Sie zu einem eigenen Beitrag angeregt hat. (Wenn ich Ihnen auch dem einen oder anderen wichtigen Punkt widersprechen würde.) Mehr dazu später im Kommentarteil Ihres Blogs.

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Es wird dich vielleicht amuesieren, dass ich jetzt daraus einige weitere Zimbabwe-Eintraege verfasst habe, (1, 2) mit e-mail links an die Regierung, Botschaften, usw.

Wuerde mich uebrigens ueber einen eventuellen Kommentar zu der Lessing-Sache (oder auch sonstiges) freuen.

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Das hier ist ihre Baustelle. Und, möchte ich hinzufügen, eine Baustelle, die ich gerne...
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